Was zerlegt wird und was ganz bleibt
Die häufigste Fehlentscheidung ist nicht falsches Werkzeug, sondern der falsche Umfang. Wer alles zerlegt, verliert einen halben Tag an Arbeit, die niemand gebraucht hätte. Wer nichts zerlegt, bekommt die Schrankwand nicht um das erste Podest und steht mit vier Leuten im Treppenhaus. Zwischen beiden Fehlern liegt eine Entscheidung, die sich vorher treffen lässt, wenn man Tür, Treppe und Möbelstück einmal nebeneinanderlegt.
Als Faustregel bleibt ganz, was aus Massivholz gebaut ist, verschraubte Rahmen hat und durch die vorhandenen Türen passt: Kommoden, kleine Regale, Sideboards, Couchtische. Zerlegt wird, was hoch, breit oder aus Pressspan ist, und alles, was beim Anheben schon einmal gearbeitet hat. Ein Stück, das im Rahmen wackelt, hält den Transport im Ganzen selten aus.
Schranktüren auszuhängen ist fast immer sinnvoll, auch wenn der Korpus ganz bleibt. Das nimmt spürbar Gewicht, schützt die Scharniere und verhindert, dass im Treppenhaus eine Tür aufspringt und gegen die Wand schlägt. Glasböden und Einlegeböden kommen aus demselben Grund heraus und werden getrennt verpackt.
Schrauben, Beschläge und der Beutel dazu
Der teuerste Fehler beim Abbau ist kein Kratzer, sondern eine fehlende Tüte. Ein Bett ohne die passenden Schrauben ist am Zielort ein Stapel Bretter, und im Baumarkt gibt es genau diese Sorte oft nicht. Deshalb bekommt jedes Möbelstück seinen eigenen Beutel, beschriftet mit dem Namen des Stücks, und der Beutel wird an das größte Teil geklebt statt in eine Sammelkiste geworfen.
Fotos ersetzen die Anleitung, die vor Jahren weggeworfen wurde. Vor dem Lösen der ersten Schraube ein Bild von der Rückseite, eines von der Verbindung und eines vom Innenleben; nach zwei Wochen ist das mehr wert als jede Erinnerung. Wer Regalböden mit einem Klebestreifen nummeriert, spart am Zielort die Suche nach der Höhe, in der sie eingehängt waren.
Das Werkzeug gehört in eine Kiste, die zuletzt eingeladen und zuerst ausgeladen wird. Hinein gehören Akkuschrauber samt Bits, Hammer, Zange, Zollstock, Wasserwaage, ein Satz Sechskantschlüssel für die üblichen Verbindungsbeschläge und ein paar Ersatzdübel. Diese Kiste fährt im eigenen Auto mit und nicht im Wagen.
In den Beutel je Möbelstück gehören
- Alle Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben dieses Stücks
- Exzenter, Dübel und Bodenträger, auch die scheinbar überzähligen
- Der passende Schlüssel oder Bit, wenn es ein besonderer ist
- Ein Zettel mit dem Namen des Möbelstücks und dem Zielzimmer
- Kleinteile wie Griffe und Abdeckkappen, die beim Abbau abfallen
Schrankwände und Regale aus Pressspan
Pressspan verzeiht das Zerlegen nur begrenzt. Ein Dübelloch hält beim zweiten Mal weniger und beim dritten Mal kaum noch; Rückwände aus dünner Faserplatte sind oft genagelt oder geklammert und brechen, wenn man sie am Stück abziehen will. Wer eine alte Schrankwand zerlegt, sollte deshalb vorher entscheiden, ob sie den Umzug überhaupt überstehen soll oder ob der Weg zum Wertstoffhof der ehrlichere ist.
Bei hohen Schrankwänden lösen wir zuerst die Verbindungen zwischen den Elementen und arbeiten von oben nach unten, weil ein halb zerlegtes Element sonst kippt. Rückwände lassen sich häufig am Möbel belassen, wenn nur die Elemente getrennt werden. Böden kommen flach in den Wagen und nicht hochkant, und zwischen zwei Böden liegt eine Decke, damit die Oberfläche nicht scheuert.
Am Zielort gilt die umgekehrte Reihenfolge, mit einer Ergänzung: Hohe Schränke werden an der Wand gesichert, bevor irgendetwas eingeräumt wird. Ein leerer Schrank kippt leichter als ein voller, und der Kippschutz ist die kleinste Schraube mit der größten Wirkung. Wo keine Befestigung mitgeliefert wurde, setzen wir einen Winkel.
Die Einbauküche ist ein Fall für sich
Eine Einbauküche ist kein Möbelstück, sondern eine Anlage aus Schränken, Arbeitsplatte, Geräten und Anschlüssen. Sie lässt sich lösen und am neuen Ort wieder stellen, aber sie ist immer ein eigener Posten mit eigener Zeit. Wer sie nebenbei einplant, schiebt den gesamten Umzugstag nach hinten.
Der kritische Teil ist die Arbeitsplatte. Sie ist auf Zentimeter gefertigt, hat Ausschnitte für Spüle und Kochfeld und passt in einem anderen Raum fast nie ohne Anpassung. Verbindungen an Ecken sind verschraubt und verklebt, und eine gebrochene Kante lässt sich nicht wieder zusammenfügen. Deshalb wird vorher gemessen, was am neuen Ort an Wandlänge, Fensterbrüstung und Anschlusspunkten zur Verfügung steht.
Gas, Wasser und Strom gehören in die Hand eines Fachbetriebs. Wir bauen ab, transportieren und stellen wieder auf; angeschlossen wird von jemandem, der dafür einstehen kann. Das ist kein Ausweichen, sondern die Trennlinie, an der im Schadensfall jede Versicherung hängt.
Was über den Grundbetrag hinausgeht, steht mit eigener Zahl im Angebot, bevor der Termin bestätigt wird. Fällt am Umzugstag etwas Zusätzliches an, sprechen wir es vorher an.
Vor dem Küchenabbau geklärt
- Länge und Zuschnitt der Arbeitsplatte am neuen Ort
- Lage von Wasser, Abfluss, Starkstrom und Gasanschluss
- Ob die Geräte mitkommen oder in der alten Wohnung bleiben
- Ob Sockelblende und Wandabschluss zerstörungsfrei abgehen
- Wer den Anschluss übernimmt und an welchem Tag er kommen kann
Betten, Lattenroste und Matratzen
Betten sind der häufigste Grund, warum am Ende eines langen Umzugstages noch geschraubt wird. Deshalb werden sie zuerst abgebaut und zuerst wieder aufgebaut. Ein Doppelbett aus Massivholz besteht meist aus vier Rahmenteilen, einem Mittelfuß und zwei Lattenrosten; die Verbindungen sind Exzenter oder Winkel, und beide brauchen den passenden Schlüssel, der gern genau dann fehlt.
Lattenroste werden nicht gestapelt, sondern hochkant gestellt und paarweise mit den Leisten nach innen zusammengelegt, sonst verhaken sie sich ineinander. Matratzen stehen aufrecht im Wagen und nie unter schwerer Ladung; eine Federkernmatratze wird nicht geknickt, auch nicht kurz für die Treppe. Für den Weg durch das Treppenhaus genügt ein Gurt, eine Schutzhülle braucht es nur bei Regen.
Die Schrauben von Betten gehen besonders leicht verloren, weil sie beim Abbau auf den Boden fallen und unter dem Teppich landen. Sie kommen in den Beutel, der Beutel an das Kopfteil, und das Kopfteil wird am Zielort als eines der ersten Teile ausgeladen.
Die Reihenfolge am neuen Ort
Am Zielort entscheidet die Reihenfolge über den Rest des Tages. Zuerst kommt, was Platz braucht und später im Weg stünde: große Schränke an ihre Wand, Betten in die Schlafzimmer, der Esstisch an seinen Ort. Erst danach werden Kartons in die Zimmer gestellt. Wer umgekehrt vorgeht, trägt den ganzen Nachmittag über Stapel hinweg und stellt am Ende die Möbel dorthin, wo Platz übrig ist, statt dorthin, wo sie hingehören.
Zwei Kisten lohnen sich am Anfang besonders: eine mit dem, was am ersten Tag gebraucht wird, und eine mit dem Werkzeug. Beide fahren im eigenen Auto mit. Alles andere kann warten, und tatsächlich wartet es meist länger, als man vorher glaubt.
Wir bauen auf, während noch ausgeladen wird, wenn genug Leute vor Ort sind. Das spart eine zweite Anfahrt und sorgt dafür, dass die Betten stehen, bevor die Kolonne fertig ist. Was an diesem Tag sinnvoll nicht mehr zu schaffen ist, halten wir schriftlich fest, damit klar bleibt, was noch offen war.
Diese Reihenfolge hat sich bewährt
- Große Schränke und Regale an ihren Platz stellen und an der Wand sichern
- Betten aufbauen, bevor Kartons die Schlafzimmer füllen
- Küche und Bad einräumen, weil beides sofort gebraucht wird
- Kartons zimmerweise abstellen, ohne die Wege zuzustellen
- Zum Schluss die Möbel ausrichten, wenn der Raum wieder frei ist
| Möbelstück | Abbau | Aufbau am neuen Ort |
|---|---|---|
| Bett mit Lattenrost | 10 bis 20 Minuten | 15 bis 30 Minuten |
| Kleiderschrank mit zwei Türen | 20 bis 40 Minuten | 30 bis 60 Minuten |
| Schrankwand aus drei Elementen | 60 bis 90 Minuten | 90 bis 150 Minuten |
| Regal aus Pressspan | 10 bis 15 Minuten | 15 bis 25 Minuten |
| Esstisch mit verschraubten Beinen | 5 bis 15 Minuten | 10 bis 20 Minuten |
| Einbauküche mit Geräten | ein halber Tag | ein halber Tag und mehr |
| Grobe Anhaltspunkte aus der täglichen Arbeit, keine verbindliche Zusage. Alte Pressspanmöbel, selbst gebaute Einbauten und fehlende Schlüssel verlängern die Zeit spürbar. | ||